Sonntag, 24. September 2017 - 04:45 Uhr

Köhlerei in Kohlstetten

Viele Ortschaften können ihren Ortsnamen aufgrund geschichtlicher Ereignisse oder Unterlagen historisch begründen. In Kohlstetten kann aufgrund verschiedener schriftlicher Quellen und auf das Vorhandensein vieler Köhlerstätten darauf geschlossen werden, dass der Ortsname nicht vom Kohl (Kraut), sondern von der Köhlerei her stammt.

Die Köhler waren in waldreichen Gebieten angesiedelt. Die Holzkohle war die einzigste Energiequelle, die zur Verhütung von Eisenerz geeignet war. Die Köhlereien in Süddeutschland hatten vom Mittelalter bis zu Beginn der Industrialisierung Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ihren Höhepunkt. In vielen Dörfern gab es Köhlereien. Viele Flurnamen, wie Kohlhau, Kohlschlag, Kohltal, Kohlberg, und in Kohlstetten die Kohlplatte unterhalb des Sportplatzes erinnern noch heute an diese Zeiten.
In Kohlstetten war um das Jahr 1880 noch der letzte
Berufsköhler Georg Rist tätig. Aber auch um das Jahr 1900 haben die Brüder Jakob und Christian Baisch ihren Kohlenmeiler an der Kohlplatte betreut, um für die eigene Schmiedewerkstätte die Holzkohle herzustellen.

In den letzten Kriegsmonaten des 2.Weltkrieges wurde „ infolge der großen Verknappung auch an festen Treibstoffen die Erzeugung von Holzkohle für die weitere Kriegsführung außerordentlich wichtig erachtet“. Im Bereich des Forstamtes Kohlstetten wurde im Gaichental eine Köhlerei in Form eines Schuppens in dem sechs Hochöfen aufgebaut waren in Betrieb genommen. Diese wurden täglich abwechselnd gefüllt und dann verkohlt. Die Holzkohle wurde als Benzinersatz für Holzvergaserfahrzeuge verwendet.
Die Vereinsfahne der Musiker und Sportler von 1955 zeigt die Kohlstetter Kohlplatte mit rauchendem Meiler und im Hintergrund die Ortschaft Kohlstetten.
Im Jahre 1975 wollten die Köhlermusikanten etwas mehr über das Köhlerhandwerk erfahren, wollten einen Meiler betreiben, und dazu ein Köhlerfest veranstalten. Zum Betreiben eines Meilers mussten Fachleute herangezogen werden. In Münzdorf erklärte sich Georg Geiselhart bereit, beim Aufbau und Verkohlen eines Meilers behilflich zu sein.
So fand 1976 das 1. Köhlerfest in Kohlstetten statt, bei dem Georg Geiselhart vom aktiven Musiker Gotthold Holder unterstützt wurde, welcher diese Tätigkeit dann eigenständig für weitere 20 Jahre übernahm. Seither kümmert sich unser aktiver Musiker Martin Mauser um den Auf- und Abbau, sowie die Betreuung des Meilers.

Arbeitsabläufe bei traditioneller Holzkohleherstellung Vorbereitung:

Zur Herstellung hochwertiger Holzkohle wird traditionell Buchenholz aus Wintereinschlag verwendet. Das Holz wird in ein Meter lange Abschnitte aufgesägt, zu feinen, schwachen Scheitern gespalten und anschließend für drei bis vier Monate luftig aufgestapelt. Das Holz soll zum Aufbau des Meilers gut lufttrocken sein.
Geeignete Standorte der Kohlenmeiler sind windgeschützte, mit Wasservorkommen ausgestattete Plätze, möglichst im Wald.

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Meileraufbau:

Auf den von jeglichem Material (Laub/Reisig) befreiten Kohlplatz wird eine Bodenplatte aus Stangen und Brettschwarten errichtet. So kann vorhandenes und eintretendes Wasser nach unten ausgeleitet werden.
In der Mitte der Bodenplatte wird eine Stange verpflockt. Um diese herum wird das Holz aufrecht in Form eines Kegelstumpfes so geschichtet, dass keine größeren Hohlräume entstehen. Anschließend wird die gesamte Oberfläche mit Fichtenreisig oder altem Heu abgedeckt. Dieses Rauhdach ist die Tragschicht für die eigentliche Abdeckung. Die sichtbare schwarze Abdeckung ist ein ca. 8 cm starker Mantel aus Lösche, ein Gemisch aus feinen Kohlenpartikeln, Asche und sandhaltiger Erde. Diese Schicht schließt das Innere des Meilers relativ luftdicht ab.

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Feuerarbeit:
Oben auf dem Meiler wird in der Mitte ein Feuer entfacht, welches den Verkohlungsprozess in Gang setzt. Hat das Meilerholz Feuer gefangen, wird der obere Teil auch mit Lösche abgedeckt. Im Bodenbereich werden zwei bis drei Zuglöcher geöffnet. Im oberen Fünftel der Meilerhöhe werden ringsherum etwa zehn Löcher (Pfeifen) mit einem Durchmesser von 3 cm gestoßen, dass Wasserdampf und entstehende Gase entweichen können.
Mit diesen Pfeifen kann auch die Sauerstoffzufuhr gesteuert werden.
==> weißer Qualm ==> Verkohlung
==> bläulicher Qualm ==> Verbrennung ==> zuviel Sauerstoff
  

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Die ersten zwei bis drei Tage muss die Arbeit rund um die Uhr bewacht werden, um die Steuerung der Verkohlung optimal zu gestalten, und um bei Eigenreaktionen des Meilers sofort handeln zu können. Je nach Meilergröße dauert die Verkohlung zwischen 5 und 15 Tagen. Das Volumen des Meilers wird etwa um die Hälfte geringer. Ist der Meiler verkohlt, muss die Kohle herausgeholt werden. Ansonsten würde die Kohle verglühen und ein Häufchen Asche übrig bleiben.

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Ernten der Kohle:

Das herausnehmen der Kohle ist eine hitzige, staubige und langwierige Angelegenheit. Deshalb sollte mit diesem Arbeitsgang
relativ früh am Morgen mit einer Mannschaft von bis zu zehn Leuten begonnen werden
Die Kohle wird dabei rund um den Meiler zum Abkühlen verteilt. Nach fünf bis sechs
Stunden kann sie in Säcke abgefüllt werden und stehen zur weitern Verwendung zur Verfügung.

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Für den Kohlstetter Hobbyköhler Martin Mauser, wie für seine Musikkameraden gilt der Spruch:

Nichts schönres kann ein Dorf erwerben
als seiner Ahnen alter Brauch,
denn wo des Dorfes Sitten sterben
da stirbt des Dorfes Blüte auch.